Nippon Connection 2020 Review: Japanisches Filmfestival Online

Wie schafft ein Filmfestival, das auch die japanische Kultur feiert, inmitten der Corona-Krise den Übergang zu einem Online-Festival? So hat es das größte japanische Filmfestival der Welt geschafft.

In den vergangenen Jahren war Nippon Connection (Foto oben vom NC2018) ein großes Festival für die Stadt Frankfurt. Zwei Veranstaltungshäuser, ein Kino und das Frankfurter Filmmuseum zeigen an sechs Tagen zeitgenössische und klassische japanische Filme. Viele der 100 Filme feiern bei der Nippon Connection ihre internationale Premiere. Auch das Rahmenprogramm mit Teezeremonie, Karaoke, Kochkursen und Origami sollte man sich nicht entgehen lassen. Die Imbissstände bieten verschiedene japanische Gerichte an. Das Team von Nippon Connection lädt auch die japanischen Regisseure nach Deutschland ein – für einige ist es die erste Reise ins Ausland.

Die Kinos konnten im Sommer zwar wieder öffnen, durften aber nicht mit voller Kapazität arbeiten. Das würde für ein Filmfestival nicht gut funktionieren.

Nippon Connection ist für 2020 zu einem Online-Festival übergegangen und hat so viele Veranstaltungen wie möglich auch online angeboten. Das bedeutete auch, dass im Gegensatz zu vergangenen Festivals keine Vorführung ausverkauft war – man konnte während des Festivalzeitraums über NCs Streaming-Partner Vimeo so viele Filme sehen, wie man wollte. In einem Live-Stream wurden Musikperformances aus Japan, Origami-Kurse und Radio-Gymnastik gezeigt. Die meisten davon wurden später auf YouTube geteilt, wo sie immer noch angesehen werden können.

Ich bestellte eine Zehnerkarte und traf meine Auswahl – eine bunte Mischung an Filmen:

  • 1. 100 Yen Love
  • 2. Dancing Mary
  • 3. Extro
  • 4. Fuku-chan Of Fukufuku Flats
  • 5. Hello World
  • 6. Her Blue Sky
  • 7. Kinta And Ginji
  • 8. Labyrinth Of Cinema
  • 9. Die Lektion des Bösen
  • 10. Little Miss Period  

Alle diese Filme wurden auf Japanisch mit Untertiteln gezeigt. Es galten regionale Einschränkungen.

Ich habe mir die Filme in umgekehrter Reihenfolge der erwarteten Qualität von der schlechtesten zur besten angesehen. Einige Filme entsprachen meinen Erwartungen, andere übertrafen sie. Extro zum Beispiel ist eine wunderbare Komödie über einen älteren Mann, der als Statist an einem Filmset arbeitet. Labyrinth Of Cinema ist ein cineastisches Erlebnis, das so überwältigend ist, dass mir die Handlung ziemlich egal war. Auf der anderen Seite hat Dancing Mary von Sabu meine hohen Erwartungen nicht ganz erfüllt und Lesson Of The Evil, ein gewalttätiger College-Film von Takashi MIIKE, war mindestens 15 Minuten zu lang.

Um die Festivalatmosphäre irgendwie einzufangen, traf ich mich mit zwei Freunden zu einem japanischen Tag mit einem japanischen Gericht (Omurice), Origami, Filmen und schließlich Online-Karaoke. Das Omurice wird uns weder einen Platz in einem Maid-Café einbringen, noch würde unser Versuch, ein Origami Yamaha Piano zu basteln, einen Origami-Meister beeindrucken. Während wir kochten, schalteten wir auf den Live-Stream um.

Herausforderung

Nachdem mir die Filme ausgegangen sind, habe ich die Herausforderung von Sounddesigner Goro Koyama angenommen, dessen Video „The Secret of Sound in Cinema“ auf dem NipponConnectionTV-Kanal auf YouTube zu sehen ist. Er erstellte ein Video mit dem Titel „[REC]ing Ball“, überließ es aber den Nippon Connection-Fans, die Sounds zu kreieren. Der Spaß bestand darin, Sachen zu finden, die gut zu den Aktionen auf dem Bildschirm passen würden. Ich hatte eine Schüssel, einen Plastikpinguin und andere Sachen, um mein eigenes Video zu erstellen:

Fazit

Mit einer großen Vielfalt an Filmen, von skurrilen Independent-Kurzfilmen bis hin zu Mainstream-Anime und verschiedenen Events, war Nippon Connection das beste Online-Festival 2020. Die Ausgabe 2021 soll vom 1. bis 6. Juni als „hybrides“ Festival stattfinden. Die Website von Nippon Connection ist in Deutsch, Englisch und Japanisch verfügbar.

Author: MiaJaap

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